"Wenn Firma Krüger es nicht schafft, schafft es keiner."
Das war nicht mein Werbespruch. Das haben Auftraggeber über uns gesagt, und ich war stolz darauf. Zu Recht, glaube ich - dieser Satz war erarbeitet.
Mein Grundsatz war immer: Wer irgendwo Erfolg haben will, muss die Extrameile gehen. Immer das eine Prozent besser sein als der Mitbewerber. Also bin ich genau dorthin gegangen, wo andere abgewinkt haben. Objekte, vor denen sich Kollegen gedrückt haben, weil sie zu kompliziert waren - da habe ich gefragt, ob Hilfe gebraucht wird, und mich mit dem Auftraggeber gemeinsam an die Lösung gesetzt.
Ich habe mich eingelesen, Fachberater kommen lassen, mich schulen lassen. So sind wir in Schimmelsanierung, Wasserschadensanierung und Brandschutz hineingewachsen und haben uns dort spezialisiert. Und die Auftraggeber haben es gemerkt: Wer erkennbar an Lösungen interessiert ist, darf dafür auch nehmen, was es kostet. Die Lösung war wichtiger als der Preis. Daraus wurden echte Partnerschaften.
Zwölf Mitarbeiter. Rund eine Million Umsatz. Volle Auftragsbücher.
Und dann war es vorbei
Zur Jahreswende waren meine Subunternehmer für Sanitär und Elektro nicht greifbar. Ohne deren Arbeit kein Leistungsstand, ohne Leistungsstand keine Rechnung. Also gerieten wir in Verzug - nicht mit der Arbeit, sondern mit dem Abrechnen.
Wirtschaftlich war das kein Problem. 255.000 Euro Außenstände - das Geld war da und wäre gekommen. Ich bin zu allen Gläubigern und allen Krankenkassen gegangen, habe die offenen Belege auf den Tisch gelegt und um Aussetzung gebeten. Alle haben zugestimmt. Wirklich alle.
Bis auf eine.
Nicht weil sie sich geweigert hätte. Sondern weil ich sie schlicht vergessen habe zu benachrichtigen.
Es stand nirgends, welcher Mitarbeiter an welcher Kasse hängt. Das existierte in meinem Kopf, auf meinem Schreibtisch und in Rechnungen, die irgendwo herumlagen. Eine saubere Aufstellung gab es nicht.
Es war die Kasse einer Teilzeitkraft. Von dort kam eine Kontopfändung. Und weil wir zu dem Zeitpunkt nur ein einziges Geschäftskonto hatten, war die Firma damit zahlungsunfähig. Als Kapitalgesellschaft heißt das: insolvent.
Ich konnte nur noch den Antrag stellen.
Der Teil, der wehtut
Es wäre bequem, das als Pech abzuhaken. War es aber nicht.
Nicht der Markt hat meine Firma erledigt. Nicht die Konkurrenz, nicht der Preis, nicht zu wenig Einsatz. Es war eine Zeile, die niemand aufgeschrieben hatte - und ein zweites Konto, das wir nie eingerichtet haben.
Dass ein einziges Geschäftskonto ein Risiko ist, wussten wir. Das war intern längst als Fehler erkannt. Wir haben es nur schleifen lassen, weil nie der richtige Moment war. Es lief ja.
Erst als beide Lücken zusammentrafen - die fehlende Aufstellung und das eine Konto - war es tödlich. Jede für sich hätte man überlebt.
Warum Wachstum das Ganze gefährlicher macht, nicht sicherer
Hier ist der Denkfehler, dem ich jahrelang aufgesessen bin: Ich dachte, mehr Umsatz und mehr Leute machen einen Betrieb stabiler. Mehr Puffer, mehr Substanz, mehr Luft.
Das Gegenteil ist der Fall.
Mit zwei Mitarbeitern hast du alles im Kopf. Du weißt, wer bei welcher Kasse ist, welcher Vertrag wann läuft, was diesen Monat abgebucht wird. Dein Kopf ist die Struktur, und er reicht aus.
Mit zwölf reicht er nicht mehr. Aber es fällt nicht auf, denn es läuft ja weiter. Die Lücke entsteht nicht plötzlich - sie wächst mit, unsichtbar, jeden Monat ein Stück. Und sie zeigt sich nicht im Normalbetrieb. Sie zeigt sich genau dann, wenn etwas schiefgeht.
Wachstum schafft die Lücke nicht. Wachstum vergrößert nur die Folgen. Bei zwei Mitarbeitern hätte eine vergessene Kasse eine unangenehme Mahnung bedeutet. Bei zwölf und einem einzigen Konto war es das Ende.
Das ist der unbequeme Zusammenhang: Je besser du wirst, desto mehr hängt an Abläufen, die nirgends stehen. Der Erfolg selbst erhöht den Einsatz.
Dein erster Schritt - eine Seite, zwanzig Minuten
Nimm dir ein Blatt und schreib auf, was in deinem Betrieb regelmäßig automatisch passiert und wer oder was daran hängt.
Krankenkassen und welcher Mitarbeiter zu welcher gehört. Versicherungen. Leasingverträge. Abos und Lizenzen. Wiederkehrende Abbuchungen. Wer ist Ansprechpartner, welche Nummer, welcher Termin.
Das ist keine Buchhaltung, das ist eine Landkarte. Sie soll dir nicht helfen, wenn alles läuft. Sie soll dich retten, wenn du unter Druck stehst und schnell den Überblick brauchst - genau dann, wenn du am wenigsten Zeit hast, danach zu suchen.
Zwanzig Minuten. Und leg sie dahin, wo nicht nur du sie findest.
Und dann die zweite Frage, die unangenehmer ist:
Welchen Fehler in deinem Betrieb kennst du seit Monaten und hast ihn nicht behoben, weil es gerade läuft?
Jeder hat so einen. Bei mir war es das eine Konto. Schreib ihn daneben. Nicht um dich zu ärgern - sondern damit er aufhört, unsichtbar zu sein.
Wo hängt dein Betrieb am meisten an dir?
Ich erzähle diese Geschichte nicht, um zu warnen. Ich erzähle sie, weil ich lange geglaubt habe, mein Problem sei zu wenig Einsatz - und weil das falsch war. Der Einsatz war da. Es fehlte das, was ihn getragen hätte.
Wo bei dir die Lücken sitzen, weiß man erstaunlich selten aus dem Bauch heraus. Mein kostenloser Engpass-Check zeigt es dir in 10 Aussagen - und sagt dir, welcher Schritt bei dir als Nächstes dran ist:
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