Siebzehn Jahre lang wusste ich genau, welche Abläufe ich aufschreiben müsste.

Aufgeschrieben habe ich keinen einzigen.

Das ist kein Geständnis, das mir leichtfällt. Ich habe in dieser Zeit eine Baufirma mit zwölf Mitarbeitern geführt, wir waren spezialisiert und gefragt. Und trotzdem hat in diesen siebzehn Jahren nie jemand außer mir gewusst, wie ein Auftrag von Anfang bis Ende läuft.

Was jedes Mal von vorn begann

Wir waren hauptsächlich in der Altbausanierung. Der Ablauf war bei praktisch jedem Auftrag derselbe.

Klären, wer mit dem Abriss anfängt. Container und Schilder bestellen. Straßensperrung beantragen. Mieteraushänge machen. Die Gerüstbaufirma informieren - und die Mieter rechtzeitig, damit sie ihre Hausratversicherung informieren können. Sanitär für den Wasser-Rückbau, Elektro zum Abklemmen und für den Baustrom. Dann Abriss, Aufbau, die Gewerke, die Übergabetermine.

Immer dieselbe Reihenfolge. Bei jedem Objekt.

Und jedes Mal habe ich mir die Vorarbeiter und zwei, drei Leute geholt und alles neu durchgesprochen. Jedes Mal wurden die Mieteraushänge neu formuliert - dabei hätte da längst ein Vordruck liegen können, in dem man nur Adresse und Datum ändert.

Ich habe mir vorgenommen, diese Schritte einmal aufzuschreiben. Einen Plan, den man dem Vorarbeiter in die Hand drückt: Beginn dann und dann, hier ist die Liste, abarbeiten, fertig.

Es ist nie passiert. Weil die Zeit nicht da war.

Es hat nie am Wissen gefehlt

Das ist der Punkt, an dem die meisten sich wiedererkennen.

Wenn ich heute mit Selbstständigen spreche, wissen sie ziemlich genau, wo sie ranmüssten. Sie können dir aus dem Stand sagen, welcher Ablauf bei ihnen jedes Mal Zeit frisst und welche Frage ihnen ihre Leute zum hundertsten Mal stellen. Es fehlt nicht die Einsicht.

Was fehlt, ist der Termin, an dem es passiert.

Bei mir hieß das: "Muss ich machen." Wochenlang. Und weil es nie irgendwo stand, wurde es immer wieder verschoben. Immer waren die Prioritäten anders, immer kam etwas dazwischen. Genau dieses ständige Reagieren hält dich aktiv davon ab, deine Abläufe überhaupt noch zu sehen. Wer nur löscht, erkennt keine Muster.

Der eigentliche Schaden ist nicht Chaos

Man stellt sich fehlende Dokumentation gern als Durcheinander vor. Ist es aber nicht. Der Betrieb sieht von außen völlig normal aus.

Der Schaden ist Stillstand.

Der Auftrag kommt rein, ich bin gerade nicht greifbar. Keiner weiß es hundertprozentig, jeder hat Angst, einen Schritt zu vergessen - also bleibt es erst mal liegen. Nicht aus Faulheit. Aus Vorsicht.

Zwei Tage später bin ich wieder da, wir starten, und ab jetzt sind wir zwei Tage im Rückstand. Die holst du nicht mehr auf, denn dein Termin steht ja trotzdem. Also wird es hinten raus eng, stressig und unangenehm - und du bist wieder der, der alles retten muss.

Der Zeitverlust entsteht nicht bei der Arbeit. Er entsteht in der Lücke davor.

Unternehmerzeit: ein Termin, kein Vorsatz

Was mir gefehlt hat, nenne ich heute Unternehmerzeit. Ein fester Block pro Woche, ein bis zwei Stunden, in dem ausschließlich am Unternehmen gearbeitet wird. Nicht im Unternehmen.

Der Unterschied zwischen "mache ich, wenn Zeit ist" und "Mittwoch von zehn bis zwölf" ist der ganze Unterschied. Einen Vorsatz verschiebst du. Einen Termin nicht.

Den Tag suchst du dir selbst aus, aber zwei fallen erfahrungsgemäß raus:

Bleibt die Mitte der Woche. Bei mir wäre Mittwoch von zehn bis zwölf richtig gewesen.

Zwei Dinge machen aus dem Kalendereintrag einen echten Termin: Er steht im Kalender wie ein Kundentermin, nicht als Notiz. Und deine Leute wissen Bescheid - in dieser Zeit bist du nicht erreichbar. Wer das nicht ansagt, hat keinen Block, sondern eine Absichtserklärung.

Was in diesen zwei Stunden passiert

In der ersten Stunde geht es nicht ums Aufschreiben, sondern ums Sehen.

Du setzt dich hin und suchst Abläufe, die sich wiederholen. Nicht die großen - die kleinen, die dich jede Woche fünfzehn Minuten kosten und die du deshalb nie bemerkst. Der Aushang, den ihr jedes Mal neu formuliert. Die Rückfrage, die jedes Mal kommt. Die Bestellung, bei der jedes Mal jemand nachfragen muss.

Dann schreibst du einen davon auf. Einen. Und in der nächsten Woche den nächsten.

Nach zehn Wochen hast du zehn Abläufe stehen, die vorher nur in deinem Kopf waren. Das klingt unspektakulär, und genau deshalb funktioniert es - es ist die einzige Version, die neben dem Tagesgeschäft überlebt.

Wenn gerade nichts ansteht

Irgendwann kommt der Mittwoch, an dem dir nichts einfällt. Dann streichst du die Zeit nicht.

Dann nimmst du sie für das, wofür sonst nie Ruhe ist: Du fragst deine Leute. Wo hängt ihr immer wieder? Was fehlt euch? Was steht in unseren Abläufen drin, das unnötig ist und raus kann?

Das sind die Gespräche, für die im Tagesgeschäft nie Platz ist, weil immer jemand wartet. Und sie liefern dir die Liste für die nächsten zehn Mittwoche gleich mit.

Dein erster Schritt

Nimm dir jetzt deinen Kalender und trag einen Termin ein. Diese Woche noch, Mitte der Woche, zwei Stunden. Titel: Unternehmerzeit.

Dann sag deinen Leuten, dass du in dieser Zeit nicht erreichbar bist.

Mehr ist es fürs Erste nicht. Nicht der perfekte Ablaufplan, nicht das große Aufräumen. Nur der Termin - denn genau der hat mir siebzehn Jahre lang gefehlt, und das Wissen war die ganze Zeit da.

Und für die erste Sitzung nimm diese Frage mit:

Welcher Ablauf wird bei dir jedes Mal neu besprochen, obwohl er immer gleich ist?

Wo bei dir alles nur im Kopf liegt

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